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GML-Chef verabschiedet sich in den Ruhestand

Ursprünglich wollten wir mit Dr. Thomas Grommes einen unserer Gast-Podcasts machen. Leider war dies aus technischen Gründen nicht möglich. Das ist aber kein Grund nicht in dieser Form seine 13 Jahre an der Spitze des Gemeinschafts-Müllheizkraftwerks (GML) Ludwigshafens zu würdigen.

Wer kennt es nicht, das imposante Müllheizkraftwerk in der Industriestraße. Die markante farbenfrohe Fassade am Müllbunker hat mittlerweile zweimal den deutschen Fassadenpreis gewonnen. Mehr als 13 Jahre lang führte Thomas Grommes das GML in Ludwigshafen.

Der gelernte Chemiker trat 1991 ins Berufsleben. Das war damals gar nicht so einfach, denn für Chemiker gab es nur wenige Arbeitsplätze in der chemischen Industrie, so dass Thomas Grommes in die Umweltbranche einstieg, eine Berufswahl, die er bis heute nicht bereut. Über Umwege kam er dann Mitte 2010 an das Ludwigshafener Müllheizkraftwerk, dass unsere Stadt zusammen mit den benachbarten Städten und Landkreisen betreibt.

Viele Veränderungen
In den mehr als 13 Jahren an der Spitze des gemeinschaftlichen Müllheizkraftwerks Ludwigshafen hat sich vieles verändert. So hat sich in den über 30 Jahren seit Einführung der getrennten Abfallsammlung unser Müllaufkommen verändert, denn mittlerweile wird bis zu zwei Drittel unserer Haushaltsabfälle recycelt. Nur das restliche Drittel landet in den Müllverbrennungsanlagen, wie der GML. Die Recyclingquoten bei Glas oder bei Papier betragen etwa über 90 %.

Aber auch eine andere Veränderung ist spürbar. Obwohl pro Kopf das Müllaufkommen in Ludwigshafen in den letzten Jahren leicht gesunken ist, ist die Müllmenge absolut bei steigender Einwohnerzahl mehr geworden. Nicht zuletzt die Bemühungen der GML haben das Bewusstsein für den Müll und die Umweltbelange der Ludwigshafener Bürger geschärft. Es macht sich bezahlt, dass die GML frühzeitig auf vielfältige Informationen oder neudeutsch auf Publicity gesetzt haben.

Neue Wege in der Kommunikation
Mit dem Erwerb des früheren Hallenbades Nord, jetzt genutzt als Löschwasserreserve der GML, als Kulturort LUcation – Ehemaliges Hallenbad Nord und als GML-Informationszentrum DIE VIER ELEMENTE, sowie seit fast 24 Jahren mit dem GML-FREILANDKLASSENZIMMER haben unzählige Kinder und Jugendliche aus Ludwigshafener Schulen gelernt, wie man Müll vermeidet und recycelt und wie der Müll in Ludwigshafen beseitigt wird. Die GML hat damit auch dem ehemaligen Hallenbad Nord wieder eine Bestimmung gegeben und es wie Dornröschen wieder zum Leben erweckt. Thomas Grommes ist es wichtig, dass beim Beginn der Müllkette angesetzt wird, also beim Konsumenten. Und das am besten bei den zukünftigen Verursachern, bei Kindern und Jugendlichen.

CO2-Abgabe für GML ungerecht
Vieles wurde in seiner Zeit als Geschäftsführer auf den Weg gebracht und abgeschlossen, wie z.B. die erfolgreiche Abwicklung der Schäden nach dem Großbrand im Müllbunker, ausgerechnet am 100. Tag nach seinem Amtsantritt. Oder wie das Modernisierungsprojekt IGNIS der Müllkesssel bei laufendem Betrieb, das im letzten von acht Projektjahren ist.

Ein Verfahren wird er allerdings nicht bis zum Ende begleiten können. Es geht um eine Musterklage für die Müllheizkraftwerke Deutschlands, die beim Verwaltungsgericht Berlin eingereicht wurde. Es geht um die CO2-Abgabe, die der Gesetzgeber den deutschen Müllheizkraftwerken auferlegt hat. Für Thomas Grommes der falsche Weg, denn die Müllheizkraftwerke müssen verbrennen, was kommt. Sie haben keinerlei Möglichkeiten darauf hinzuwirken, welcher Müll angeliefert wird und welche Menge. Man muss eine CO2-Abgabe da erheben, wo der Müll entsteht, also bei Industrie und den Konsumenten. Nur da kann eine Abgabe eine Lenkungswirkung haben. Folgerichtig hat auch die Europäische Union in ihren Regelungen genau da angesetzt. Ob das vorrangige Europarecht das deutsche Gesetz bricht, muss jetzt das Gericht klären.

Abschiedswünsche
Zum Abschied hat Dr. Grommes noch zwei Wünsche. Zum einen wünscht er sich, dass manche Einwohner dieser Stadt ihre Stadt nicht schlecht reden sollen. Ludwigshafen ist nun mal eine Industrie- und Arbeiterstadt. Ludwigshafen war noch nie eine Residenzstadt und kann es mit Heidelberg oder Mannheim in dieser Hinsicht nicht aufnehmen. Dennoch hat Ludwigshafen viele Vorzüge, wie einen starken Wirtschaftsstandort mit vielen guten Verdienst- und Karrieremöglichkeiten und einem angenehmen Wohnumfeld, wie etwa am Rheinufer Süd, wo er selbst mit seiner Frau jahrelang gewohnt hat. Ludwigshafen ist zudem das Tor zur Pfalz, einer der schönsten Regionen Deutschlands. Im Übrigen besteht eine Stadt nicht nur aus Häusern, sondern vor allem aus Menschen. Und diese sind – bis auf die o.g. Unart mancher – prima!

Eine andere Bitte richtet er die Landes- und Bundespolitik. Die Kommunen dürfen einfach nicht kaputt gespart werden, denn die Kommunen sind die Basis des Staates. Er fragt sich schon, ob die Mitarbeiter der ADD bei ihrem Wohnort um Trier herum auch so rigoros sparen, wie bei Ludwigshafen. Städte und Gemeinden müssen bei ihren Aufgaben von Bund und Land ausreichend finanziert werden, damit Büchereien, Schwimmbäder oder Theater erhalten bleiben oder soziale Leistungen der Kommunen nicht gekürzt werden. Ludwigshafen braucht aufgrund seiner besonderen sozialen Situation dabei mehr Unterstützung.

Für seinen Ruhestand kehrt der gebürtige Kölner zurück in seine Wahlheimat Bremen. Wir wünschen ihm alles Gute, Gesundheit und sagen Danke für 13 Jahre an der Spitze der GML.